Es liegen dort so viele kleine Wesen, winzig kleine Wesen in ihren kleinen Bettchen. Sie sind so klein, so wahnsinnig klein. Es wird alle Technik verwendet, um sie zu retten. Geräte in einer Menge, einer Präzision und einer Verwendungsart, wie man sie sich kaum vorstellen kann.
Diese winzigen Menschen sind voller Schläuche, verkabelt und über den Augen liegt ein Tuch.Manchmal hört man ein leises, zartes Schreien, das so anders klingt als die kräftigen Schreie, die Neugeborene sonst verlauten lassen.
Was man hört ist das Piepen der Monitore, unablässig, in verschiedenen Tonlagen, verschiedener Geschwindigkeit- je nach Dringlichkeit. All das hören die Kinder, das und laute Gespräche des Personals, zwischendurch ein hektischer Schrei nach Hilfe, weil noch mehr Technik benötigt wird.
Wenn es mein Kind wäre- natürlich würde ich es bei mir behalten wollen, es nicht hergeben, verlangen, dass alles getan wird, damit es bei mir bleibt, jegliche Antsrengung verlangen, die möglich ist.
Denke ich. Vielleicht aber könnte ich den Gedanken, dass mein Kind dort, in dieser unmenschlichen Athmosphäre liegt, ohne menschliche Wärme, ohne die Anwesenheit positiver Schwingungen- vielleicht könnte ich das nicht ertragen.
Vielleicht sind all diese Anstrengungen nur Zeichen unserer Unfähigkeit, loszulassen. Vielleicht haben wir übersehen, dass wir nicht alles können, nicht alles vom Leben verlangen können, was möglich ist.
Was geht in diesen kleinen Wesen vor? Haben sie überhaupt die Chance, sich zu verabschieden, wenn sie das selbst wollen? Sie werden gezwungen in dieses Leben. Und dann werden diese Seelen alleine gelassen. Keiner gibt ihnen Kraft, keiner denkt an sie überhaupt.
Eine Mutter hatte ihr Kind auf dem Bauch liegen und lag mit geschlossenen Augen mit ihrem Kind da. Eine. Ein Elternpaar stand hilflos neben dem Inkubator und betrachtete das Kind und kicherte immer mal wieder. Selbst fast noch Kinder.
Wie hält man das aus? Wie hält das Kind das aus? Wie halten die Menschen, die dort täglich arbeiten, das aus? Wie halten die Familien das aus?
Da muss es doch eine Kraft geben, um all das überhaupt ertragen zu können. Und man ist sich dieser Kraft nicht bewusst. Und nützt sie nicht.
Ich habe keine Meinung, was man nun richtigerweise bei 400 gr machen soll. Mit einem Kind in der 24. SSW. Ich weiß es nicht. Aber es ist so ungeheuer schwer, das zu ertragen. Hilflos dazustehen. Nur sich bewusst zu sein, dass all die kleinen Seelen ganz alleine sind.
Wie geht es diesen Menschen später? Was wird aus ihnen, wenn sie es schaffen?
Das weiß noch niemand, man kann noch nicht lange retten, wie man nun retten kann.
Voller Gedanken bleibt man zurück. Und vergisst nie mehr.
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...Kinder- Seelen
@ 2009-10-28 – 19:27:15
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...Wo ist die Kraft
@ 2009-10-23 – 13:36:13
Irgendwo um mich herum gibt es Kraft.
Alles besteht aus einer Art von Energie und diese Energie befindet sich überall um alle Menschen herum.
Nur- ich finde sie nicht.
Weder die Energie in mir noch die, die ich vielleicht auffangen könnte.
Es ist nichts als Leere überall.
Kurz dachte ich, der Schleier hätte sich gelüftet.
Doch das tat er nicht. Er bleibt.
Er verschleiert alles äußere und auch mein Inneres vor mir selbst.
Ich verabscheue es, so kraftlos zu sein.
So unfähig.
Bei anderen Menschen würde es mich abstoßen.
Und genau das tut es auch-
ich finde mich selbst abstoßend.
Ich kann weder mich noch meine Geschichte annehmen.
Chancenlos.Aber ich will nicht, dass es chancenlos ist! Ich will doch noch eine Chance haben.
Ich will weiterleben können und Hoffnung haben dürfen.
Warum sollte mir das nicht zustehen?Immerhin kann ich das noch- ein klein wenig aufbäumen und
noch nicht vollständig aufgeben.Es bleibt doch immer eine Hoffnung.
Wahrscheinlich selbst dann, wenn man sich gegen die Hoffnung entschieden hat. -
...Träume
@ 2009-10-21 – 21:31:07
Es bleiben Träume.
Immer.
Aber sie haben Macht.
Macht über den darauffolgenden Tag und vielleicht noch länger.
Es gibt die guten und die schlechten.
Die schlechten kann man einordnen.
Man kann sich bemitleiden dafür.
Man kann sie ignorieren.
Sie hinterlassen ein Gefühl der Angst.
Die guten kann man kaum einordnen.
Sie haben oft noch mehr Macht.
Sie machen mich zu einem anderen Menschen.
Für kurze Zeit.
Sie zeigen mir meine eigenen Wünsche.
Und ein Wunsch ist das sehr stark.
Einer, der in der Realität kaum bedeutsam ist.
Weil ich beschlossen habe, ihn unwichtig sein zu lassen.
Weil ich beschlossen habe, ihn zu vergraben.
Weil ich ihn nicht ertrage.
Er verstärkt meine Einsamkeit.
Er verdeutlicht sie mir.
Und macht mich noch einsamer.
Umgeben von Personen, die dies nie erfahren dürfen.
Und bei allen positiven Gefühle- was bleibt:
Ist Angst und ein Gefühl von Ekel.
Der Wunsch nach einer Seele an meiner Seite.
Die ich vielleicht nie finden werde.
Weil ich nicht rein bin.
Weil ich zuviel negatives in mir habe.
Und all das Negative anziehe.
Doch eine kleine Hoffnung bleibt:
Das sich Licht um mich legt.
Und Licht anzieht.
Und dieses Licht nehme die Dunkelheit von meinem Leben. -
...Essen
@ 2009-10-02 – 10:05:13
So lange schon stehen wir auf Kriegsfuß miteinander- das Essen und ich.
Ich weiß nicht mehr, wie es angefangen hat. So in etwa wann, das weiß ich, aber warum und wie? Nur Vermutungen, mehr nicht.
Immer wieder dachte ich, ich bekomme es in den Griff, aber es geht nicht.
Ich habe weder die Macht über meinen Körper, noch über das Essen.
Eigentlich esse ich nur noch in Gesellschaft wirklich etwas und auch dann eher weniger.
Wenn ich zuhause bin- fast nichts. Selbst wenn ich etwas zuhause habe, was ohnehin nicht immer der Fall ist, esse ich es nicht.
Nach längeren Zeiten gemeinsamen Essens mit anderen dauert es zwar manchmal ein, zwei Tage, bis ich den Hunger wieder besiegt habe, aber dann gehts.
Dann komme ich da auch gar nicht mehr raus. Und da ich wirklich ziemlich Geld spare damit- hat das Ganze auch noch einen lohnenden Effekt.
Nein, ich habe keine Ahnung, wie ich damit jemals klarkommen soll und wie ich das jemals in den Griff bekommen soll. Ich weiß es nicht. Vielleicht löst es sich ja irgendwann von selbst. Wenn ich mich aufgelöst habe... -
...Dinge, die ich nicht hören möchte
@ 2009-09-30 – 14:59:06
Unterhaltung mit meinem Vater- über Beziehungen zwischen zwei Männern, etwas, was er so gar nicht nachvollziehen kann und das er wohl wirklich eklig findet. Er meinte, ob ich das nicht auch pervers finde. Ich finde es völlig in Ordnung, wenn zwei Männer miteinanderleben möchten und sich gern haben, allerdings finde ich die genaue Vorstellung irgendwie eklig. (ohne dass ich das verurteilen würde)
Daraufhin sagte er: Du findest ja doch auch das zwischen Mann und Frau bis jetzt eklig, oder?Ich dachte, ich höre nicht recht. So etwas will ich doch nicht von meinem Vater hören! Es geht ihn nichts an! Ich bin doch eigentlich zu alt für sowas. Viel zu viel habe ich schon erreicht, als dass man so etwas zu mir sagen müsste.
Ganz davon abgesehen, dass das überhaupt nicht das Thema ist, das ich jemals mit diesem Menschen erörtern möchte. Zumal ich die Vergangenheit nicht genau kenne.Aber was ich wieder daraus lerne: sie meinen, dass ich immer noch ganz nah bei ihnen bin, dass sie mich genau kennen, dass sie alles von mir wissen. Ich will das nicht. Und weiß auch nicht, wie ich es ändern soll.
Das sind Momente, da möchte ich nur, dass das alles aufhört. Dass ich am Morgen aufwache und mein eigenes Leben habe. Dass alles gut ist.
Und doch weiß ich, dass ich das alles selbst erkämpfen muss, dass niemand etwas für mich machen wird. Und das ist so schrecklich anstrengend. -
..."Familienfeiern"
@ 2009-09-21 – 21:48:13
Es hätte ein schöner Anlass sein können für ein schönes Treffen.
Es hätte feierlich sein können.
Aber nichts als ein schales Nachgefühl bleibt nach diesen Familienfeiern mit diesen Menschen.
Uns wird das Gefühö gegeben, minderwertig, nicht dazugehörig, verrückt und inakzeptabel zu sein.
Aber natürlich wird nichts direkt angesprochen- nein, man verteilt Spitzen, die verletzen und bloßstellen sollen.
Und bewirkt damit bei einer Person einen ausgeprägten Fluchtdrang, während ich bereit wäre, das ganze stoisch durchzustehen- das finde ich angemessener für mich selbst als die Hysterie.
Nur. auf mich kommt es nicht an. Kam es nie an in diesen Zusammenhängen und so bleibt tatsächlich nur das Gefühl, das vielleicht bald gar nichts mehr geht in dieser Beziehung.
Das möchte ich nicht. Ich finde, es reicht, wenn man ein Geschwister verliert, mehr müssen es nicht sein.Aber ich weiß nicht, wie ich das bewerkstelligen soll- da die anderen Menschen nie damit zufrieden sind, einfach nur per mail oder vielleicht mal telefonisch in Kontakt zu sein, was ich ausreichend fände, um dem anderen Interesse zu zeigen und die Beziehung aufrecht zu erhalten. Nein, man muss ja immer gleich einander besuchen, Chaos in das eigene Leben und das des anderen bringen und einige Tage viel zu eng beeinander sein. Warum? Ich verstehe das nicht!
Trotz allem tut es mir ehrlich leid um diese immer weiter zerbrechende Beziehung zu meiner Schwester, die mir mal viel bedeutete. Warum ist es nur so schwer, tolerant zu sein, hinzunehmen... -
...dankbar
@ 2009-09-11 – 08:36:00
Wie schön ist es, so unvermittelte, von Herzen kommende Zuneigung zu spüren.
Das Gefühl zu haben, wirklich als Mensch gemocht zu werden, als Person und nicht nur als Hilfsattribut.
Ich habe das nicht erwartet. So viel Gefühl gerade von ihr- und wurde positiv überrascht und freue mich.
Auch wenn es mir schwer fällt, damit umzugehen.
Auch wenn ich erst mal wieder mich ablenken musste.Warum nur kann ich so schwer mit Zuneigung umgehen...
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...4 Wochen- 31 Tage
@ 2009-09-10 – 22:31:47
Ein weiterer Abschnitt ist vorrüber. Voll wechselhafter Gefühle, obwohl ich im Nachhinein sagen muss, dass ich nicht viel tatsächlich anwesend war. Zumindest fühlt es sich in der Rückschau so an. Erklären kann ich mir das nicht wirklich. Muss ich vielleicht auch gar nicht.
Was immer und bei allen neuen Abschnitten mein Problem ist- ich denke sehr lange Zeit, es hat ja grade erst angefangen und ich muss noch nicht wirklich beginnen, etwas zu tun (ich tue natürlich etwas, aber nicht mehr als zu meiner Arbeit dazu gehört). Ich warte immer darauf, dass es wirklich losgeht und ehe ich es merke, ist es vorüber.
Diesmal habe ich ganz eindeutig gelernt, dass ich nicht in der Lage bin, auf diese Art und Weise arbeiten zu können- auch wenn ich mich damit vor mir selbst als "Weichei" abstemple, was ich so gar nicht leiden kann, muss ich mir eingestehen, dass ich das nicht kann. Ich kann nicht unter so großem Druck und unter so widrigen Bedingungen arbeiten. Wie nett die Kollegen auch sein können- wenn die, von denen ich auch Unterstützung brauche, diese nicht geben und es in einen Kampf jeder gegen jeden ausartet, kann ich das nicht. Und wenn von mir verlangt wird, meinen Beruf über alles andere zu stellen, kann ich das genauso wenig. Mir fehlt dafür die Kraft, das dicke Fell und das fröhliche Naturell. Ich kann die immer wieder auftretende Menschenunwürde nicht ertragen. Es geht nicht.
So bin ich nun aus der Bahn meiner Pläne geworfen, irritiert, aber dennoch dankbar dafür, dass ich das jetzt erkannt haben. Jetzt, bevor ich eine Entscheidung getroffen habe.
Ich darf nur nicht vergessen, dass es Alternativen gibt. Weil es die immer gibt. Auch ohne, dass ich alles hinwerfen muss. -
...Vergänglichkeit
@ 2009-09-07 – 21:35:04
Früher dachte ich, ich kann damit umgehen.
Mit der Anwesenheit der Vergänglichkeit, mit der Anwesenheit des Todes, mit dem Erleben von Dramen, mit den schrecklichen Schicksalen mancher Menschen. Ich dachte, ich gehe einmal in den Bereich, in dem man permanent damit konfrontiert wird. Die Hoffnung war, dass ich dann abstumpfe. Und vielleicht hätte das irgendwann sogar funktioniert. Aber ich möchte das nicht mehr. Ich will nicht mehr unter der Maßgabe arbeiten, dass ich nur leben kann, wenn ich abgestumpft bin.Momentan habe ich das Gefühl, als würde ich alles aufnehmen- jede Schwingung, die ein anderer Mensch aussendet, jedes Leid in mich aufnehmen. Und es ist unendlich viel Leid um mich herum, viel mehr, als ich verarbeiten kann. Ein plötzlicher Tod, schwerverletzte Patienten, von denen man nur anonyme Bilder sieht, eine Aufnahme, bei der jemand wirklich große Schmerzen hat, eine im Sterben liegende Frau, das Warten von Menschen auf Organe und ich weiß noch nicht einmal, ob ich das gut heißen möchte. Kommt das nur mir so vor oder ist das viel für einen Tag?
Ist das genug, um zu nichts mehr in der Lage zu sein, wenn man nach Überstunden nach hause geht und nur noch sitzen kann? Bin ich zu empfindlich für all das?
Und wo kann ich stattdessen hingehen? Wo habe ich eine Zukunft, die ich ertragen kann?
Ich bin nicht in der Lage, eine Gegenwart zu leben, ich bin nicht in der Lage, gut für mich zu sorgen in dieser Gegenwart. Dazu bin ich zu erschöpft und zu gleichgültig mir gegenüber. Und auch zu enttäuscht über meine eigenen Schwäche.
Ich habe mich für stärker gehalten, ich habe gedacht, ich könnte angeben mit meiner Fähigkeit, das alles mit Distanz zu sehen.
Aber ich kann es nicht. Und vielleicht möchte ich es auch gar nicht mehr.
jedenfalls weiß ich nicht, wie ich weitermachen soll. Ich bin vollkommen orientierungslos geworden.
